OT: Kannst du?

Martina Bloch am 24. September 2011 um 20:10 Uhr, 2 Kommentare

OT heißt im Internet: off topic.

Das ist dieser Artikel. Er hat nichts, aber auch gar nichts mit Akquise, Vertrieb oder Marketing zu tun.
Er gefällt mir nur so sehr, dass ich ihn einfach mit Ihnen teilen möchte. Und Sie ausnahmsweise duze.
Weil der Text so schön ist!
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Es interessiert mich nicht, womit Du Deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach Du innerlich schreist und ob Du zu träumen wagst, der Sehnsucht Deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist. Ich will wissen, ob Du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um Deiner Liebe willen, um Deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendig-Seins.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu Deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob Du den tiefsten Punkt Deines eigenen Leids berührt hast, ob Du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob Du verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual. Ich will wissen, ob Du mit dem Schmerz – meinem oder Deinem – dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen. Ich will wissen, ob Du mit der Freude – meiner oder Deiner – dasein kannst, ob Du mit Wildheit tanzen und Dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob Du jemanden enttäuschen kannst, um Dir selber treu zu sein. Ob Du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht Deine eigene Seele verrätst. Ich will wissen, ob Du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig. Ich will wissen, ob Du Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist und ob Du Dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst. Ich will wissen, ob Du mit dem Scheitern – meinem und Deinem – leben kannst und trotz allem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmondes rufst: “Ja!”

Es interessiert mich nicht, zu erfahren, wo Du lebst und wie viel Geld Du hast. Ich will wissen, ob Du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für Deine Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht, wer Du bist und wie Du hergekommen bist. Ich will wissen, ob Du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem Du gelernt hast. Ich will wissen, was Dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt. Ich will wissen, ob Du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gerne mit Dir zusammen bist.

(Oriah Mountain Dreamer)

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Gefunden im Vedanova Blog

  1. 2 Kommentare zu “OT: Kannst du?”

  2. Ja – den Text kann ich nur unterschreiben -
    und halt! Das ist m.E. überhaupt nicht O.T. – es darf gar nicht O.T. sein.

    Es muss die Richtlinie des Handelns sein – quasi der Kant’sche Imperativ in trivialtextlicher Frageform und gehört genau in jedes – geschäftlich wie auch privat – Denken und Handeln!

    Wir haben das Problem des Schismas von Glauben /innerer Einstellung und Handeln. Nicht der Islam ist das Problem Europas – es ist das Problem des Christentums, vorgeblich ein neutestamentliches “Gott ist Liebe” zu befolgen, aber (selbst als die glaubenstragenden Organisationen) weiter dreist wie die Händler im Tempel nach dem archaischen “Auge um Auge – Zahn um Zahn”, “mein sei der Vorteil” und einem “Mein ist die Rache, spricht der Herr” zu handeln, in dem selbst ein “win -win ” eher als einseitiges Streben nach doppeltem Gewinn denn als ein Teilen gesehen wird.

    Dieser Text ist der schönste “Code of Conduct”, den ich seit langem gelesen habe.

  3. > Dieser Text ist der schönste “Code of Conduct”, den ich seit
    > langem gelesen habe.
    Danke. Ich auch. Er berührt mich jedes Mal wenn ich ihn lese aufs Neue.

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