Was macht eigentlich ….. eine Lektorin?

Martina Bloch am 18. November 2010 um 06:56 Uhr, 2 Kommentare

Sie räumt Texte auf und sorgt für klare Sicht auf die Inhalte, die darin transportiert werden sollen. Ich korrigiere Rechtschreib- und Grammatikfehler, spinne rote Fäden, pflücke Stilblüten, sortiere durcheinandergeratene Redewendungen, hänge schiefe Bilder gerade, ergänze, streiche und formuliere um. Damit Texte klar sind, lebendig wirken und sich ohne Mühe lesen lassen.

Dabei bin ich gleichzeitig Testpublikum. Wenn man zu tief in der Materie drinsteckt, übersieht man zum Beispiel leicht, dass ein Text für Unbeteiligte inhaltliche Fragen offenlässt oder nicht logisch ist bzw. erscheint. Dann weise ich darauf hin und frage nach, damit die veröffentlichte Version dann gut verständlich ist.

  • Was geht für Ihre Kunden zum ersten Mal, wenn Sie für sie arbeiten?

Sie merken, dass einfache, klare Sprache nichts mit Grundschulniveau zu tun hat und dass auch komplexe Sachverhalte sich verständlich darstellen lassen. Manchmal wird ihnen zum Beispiel auch bewusst, dass sie über Jahre an sprachlichen Verrenkungen festgehalten haben, die im Grunde gar nicht viel Inhalt hatten. Nach dem Lektorat haben sie dann schon mal das Gefühl, sie hätten Ballast abgeworfen.

  • Was geht für Ihre Kunden besser, wenn Sie für sie arbeiten?

Es gibt zwei Typen: Die einen fangen an, sich mit ihren eigenen Formulierungen auseinanderzusetzen. Wenn ich Sätze oder Passagen umformuliere und/oder umstrukturiere, erkläre ich häufig, warum ich das tue. Wer sich mit dem Korrekturdokument befasst, kann deshalb auch seinen eigenen Schreibstil verbessern.

Die anderen entspannen sich: Sie hören auf, für sich um Formulierungen zu ringen oder intern Rechtschreibfragen zu diskutieren, sondern konzentrieren sich darauf, die Inhalte vollständig zusammenzustellen und einen groben Textentwurf zu verfassen. Die ansprechende Präsentation überlassen Sie dann mir und haben mehr Luft für ihre eigentlichen Aufgaben.

  • Was geht nicht mehr, nachdem Sie für Ihre Kunden gearbeitet haben?

Hm. Grundsätzlich denke ich ja, dass es nichts gibt, was nicht geht (lacht). Aber ich denke schon, dass bei vielen Kunden ein Schalter umgelegt wird, wenn sie einmal gesehen haben, wie viel Mehrwert das Lektorat bringt. Meist haben sie danach kein gutes Gefühl mehr, wenn sie unlektorierte Texte veröffentlichen.

  • Welche Kunden können Sie besonders glücklich machen?

Ganz grundsätzlich solche, die viel schriftlich kommunizieren (müssen), und solche, bei denen Texte diverse interne Abstimmungsschleifen durchlaufen und/oder von mehreren Autoren zusammengestellt werden – dann ist es sehr sinnvoll, jemanden einzubinden, der mit frischen Augen die letzte Fassung auf Herz und Nieren prüft. Meine Kunden kommen hauptsächlich aus den Bereichen Wirtschaft/Unternehmensberatung, Verkehr (ÖPNV und Autoindustrie), Finanzdienstleistungen und Gesundheitswesen.

  • Was möchten Sie den Lesern noch sagen?

Dass die „neue“ Rechtschreibung – die übrigens mittlerweile auch schon 14 Jahre alt ist und seit 2007 ausschließlich gilt –  halb so wild ist, wie viele denken. Vor allem ist sie in vielen Punkten logischer als die alte. Das gefühlte Chaos ist nur dadurch entstanden, dass viele ihr eigenes Süppchen gekocht haben (und teilweise heute noch kochen).

  • Wenn die Leser jetzt Lust darauf bekommen haben, Sie näher kennenzulernen, wie können sie Sie am besten erreichen?

Wie alle Lektoren bin ich eine klassische Schreibtischtäterin und deshalb unter der Woche eigentlich immer in meinem Büro. Wenn ich allerdings gerade hochkonzentriert in einem Text stecke, kann es schon mal sein, dass der Anrufbeantworter angeht. Eine E-Mail ist der sicherste Weg, mich schnell zu erreichen. Wenn ich dann zurückrufe, haben Sie meine volle Aufmerksamkeit.

Und für alle, die erst einmal mehr über mich oder von mir lesen wollen, gibt es mehrere Möglichkeiten: Über meine Webseite können Sie sich für meinen monatlichen kurzen Rundbrief „Zwei Minuten für die Sprache“ anmelden. In meinem Blog „Frisch gestrichen! sammle ich Wissenswertes und Kurioses zum Thema Sprache, und bei Twitter bin ich unter @Sprachpingel aktiv – der Name ist Programm!

Vielen Dank, Juliane Topka, jetzt wissen wir Bescheid!

  1. 2 Kommentare zu “Was macht eigentlich ….. eine Lektorin?”

  2. Friederike Eckhoff sagt:

    Liebe Martina Bloch,
    in welchem Verlag sind Sie Lektorin?
    Das würde mich sehr interessieren.
    Abgesehen davon, daß Sie ihre Arbeit sehr interessant charakterisieren. Ich persönlich hatte immer den Aspekt der „Geburtshelferin“ im Auge, (Wenn der Autor hängt – nicht mehr weiterkommt, an seiner Idee zweifelt und womöglich noch Vorschuß braucht).
    Herzlichen Gruß
    Friederike Eckhoff

  3. Liebe Frau Eckhoff,
    das ist gerade ein Mißverständnis, die Lektorin ist Juliane Topka und sie ist selbständig 🙂

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