Kostenlose Angebote im Netz – wie viel Anspruch steht uns zu?

Martina Bloch am 7. April 2013 um 18:26 Uhr, 15 Kommentare

Seit Februar 2013 biete ich auf twitter vierzehntäglich den #mopi an.
Vor zwei Wochen habe ich den Termin zum 1. Mal verlegt.
Im ersten Tweet ohne weitere Begründung.
Was zur folgenden Diskussion führte:

 

Hier der Beitrag von Herrn Pabst,
darunter dann meine Gedanken dazu.
Es wird länger. Versprochen 🙂
————————————————-

Wie ich einmal nicht am #Mopi teilnahm

Seit einiger Zeit folge ich der Akquisefachfrau auf Twitter. So bin ich auch auf den
#Mopi aufmerksam geworden. Dies ist eine Aktion, bei der Teilnehmer ihren
Unternehmensclaim in 140 Zeichen auf Twitter darstellen können.
Daraus entwickelt sich eine Diskussion, bei der die Akquisefachfrau, aber auch andere
Leserinnen und Leser, Tipps zur Verbesserung geben. Der Mopi findet alle zwei
Wochen montags um eine bestimmte Uhrzeit statt.

social media at its best!

Ich finde den Mopi aus mehreren Gründen ein hervorragendes Beispiel für das
Potential von social media in der Akquise:

Zum einen kann die Akquisefachfrau hier zeigen, was Social Media im besten Sinne ausmacht:
share and profit.
Ein gemeinsames Lernen und Besserwerden, bei dem mit kleinem Einsatz eines
Einzelnen ein großer Erfolg für viele Menschen herausspringt.

Zum anderen kann die Akquisefachfrau sich hier einem stets größer werdenden
Publikum bekannt machen. Sie kann dort vor allem ihr Können zeigen, denn der Mopi
dient gleichzeitig auch der Präsentation Ihrer eigenen Fähigkeiten. Indem sie
(kostenlos)einen kleinen Einblick in ihre Dienstleistung bietet, stellt sie gleichzeitig ein
niedrigschwelliges Testangebot zur Verfügung. Kleiner Einsatz, große Wirkung.
Mopi ist also auch wohlverstandenes Marketing.

Es gibt noch einen dritten, konkreten Punkt, weshalb ich mich über den Mopi freue:
ich arbeite gerade an der Neufassung der eigenen Unternehmenshomepage.
Insofern böte sich der Mopi an, um den eigenen claim überprüfen zu lassen,
bevor er in echt veröffentlicht wird. Ich habe mich schon richtig auf den Montag gefreut.

Wie man potentielle Kunden vor den Kopf stößt

Am heutigen Freitag entspannte sich dann die folgende Diskussion zwischen der Akquisefachfrau und mir auf Twitter:

akquisefachfrau Mar 15, 12:06pm via HootSuite

Am kommenden Montag fällt der #mopi aus.
Bevor ihr den aber hier übt, solltet ihr wissen, was ihr wirklich gut könnt.Und das sagen können 🙂

KanzleiPabst Mar 15, 12:45pm via Web

@akquisefachfrau Oh Menno! Ich hatte mich schon vorbereitet!

Twitterdiskussion mit Herrn Pabst März 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was war objektiv passiert:

1. ein Akquisitionsangebot wurde ohne erkennbaren Grund zurückgezogen.
2. die Wertschätzung gegenüber dem potentiellen Kunden wurde öffentlich erheblich minimiert

Und was hat das subjektiv ausgelöst? Ein potentieller Kunde fühlte sich vor der Kopf gestoßen:

I.  Akquise bedeutet Konsequenz Egal ob ich einen Mopi anbiete, ein wöchentliches
Webinar, einen monatlichen Marketing Stammtisch oder einen regelmäßige Vortragsreihe:
Hier muss ich als Anbieter konsequent sein, denn ich kann (oder muss?) an der
Regelmäßigkeit gleichzeitig meine Zuverlässigkeit für den Ernstfall demonstrieren.
Ich hätte mir deshalb gewünscht, dass auch die Akquisefachfrau den von ihr selbst
gesetzten Termin im Kalender geblockt und andere Verpflichtungen darum herum organisiert hätte.

II. Akquise benötigt Transparenz. All diese Verunsicherung beim potentiellen
Kunden hätte man vermeiden können, wenn man den Grund für die Absage so
transparent wie möglich kommuniziert hätte.
Natürlich zeigt sich hier das Dilemma des Freiberuflers. Nur er erbringt persönlich die
Dienstleistung und wenn er verhindert ist, erbringt sie niemand anderes. Und
selbstverständlich gibt es im Leben Ereignisse, die eine Verschiebung eines Termins
notwendig machen. Wenn ich aber einen feststehenden Termin ohne Begründung
absage, weiß mein Gegenüber nicht, was er damit anfangen soll. Geht die
Akquisefachfrau statt des Mopis am Montag lieber in die Wellnes-Oase?
Beglückt die Akquisefachfrau statt mir lieber einen anderen („richtigen“) Kunden?
Wenn ja wie oft wird es mir später als Kunde passieren, dass ein anderer Kunde
wichtiger ist als ich? Meint die Anbieterin ihr Angebot eigentlich gar nicht ernst?
Dient es ist vielmehr nur der Auslastung von Leerlaufkapazität und wird deshalb
nur dann angeboten, wenn Leerlauf besteht?

Ich hätte mir gewünscht, dass die Absage begründet wird, auch wenn hierzu natürlich keinerlei Verpflichtung besteht.
Damit käme ich zu meinem letzten Punkt:

III. Akquise benötigt Wertschätzung. Die Akquisefachfrau hat mir als potentiellem
Kunden zu verstehen gegeben, ein kostenloses Angebot sei so unwichtig, dass es im
eigenen Ermessen liege, ob man es aufrechterhält oder nicht.
Ich will hier gar nicht auf die spätere Kundenbeziehung schielen
(„der zahlt so wenig, da entscheide ich selbst, wann ich den Auftrag erledige“),
sondern auf dieses Gefühl, die Tür vor der Nase zugeschlagen bekommen zu haben.
Im Dienstleistungssektor kommt es nun einmal darauf an, die Wünsche des Kunden zu erfüllen.
Dies sollte sich auch bereits bei der Akquise bemerkbar machen. Wenn ich potentielle
Kunden selbst darauf gepolt habe, dass mein Angebot alle zwei Wochen zu einer
bestimmten Uhrzeit stattfindet, muss ich damit rechnen, dass sich die Zielkunden
dies in ihrem Kalender notieren und sich ein entsprechendes Zeitfenster hierfür
freimachen.Meiner Ansicht nach ist eine solche unbegründete Absage in der
Akquise genauso unhöflich wie im privaten Bereich.

Nichts für ungut, ich freue mich auf den nächsten #mopi.

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Danke, Herr Pabst, für Ihren Beitrag und Ihr Lob im ersten Teil, das
mich sehr gefreut hat. Ihre Zeilen machen mich nachdenklich und lösen
Widerspruch in mir aus.
Erstmal zum Widerspruch:
Zu I: ja, Angebote brauchen Konsequenz. Was aber nicht ausschliesst, dass sie mal
nicht zur Verfügung stehen. Oder ganz zurückgezogen werden.  Herr Pabst Sie
schreiben, ich müsse meine anderen Aktivitäten um meine kostenfreien Angebote
herumgruppieren. Dem widerspreche ich ausdrücklich. Das muss ich überhaupt nicht,
das kann ich tun, wenn es passt, ich kann es aber auch anders gestalten, besonders
wenn die Umstände, wie z.B. ein Urlaub, es erfordern.
Zu II und III: ja, ich hätte netter schreiben können, dass der #mopi verschoben wird
(nicht ausfällt!), hätte gleich schreiben können, dass ich in Urlaub fahre, was ich
später getan habe, grundsätzlich aber nicht gern veröffentliche. Lockt leicht Diebe an.
Aber….was wäre denn gewesen, wenn ich wegen eines ganz anderen Ereignisses,
das ich dem Netz definitiv nicht mitteilen möchte, nicht gekonnt hätte?
Ist es dann wirklich gerechtfertigt, gleich so unfreundliche Gründe zu unterstellen,
wie Sie es taten?

Oder kann ich erwarten, dass mir primär nichts Unfreundliches
unterstellt wird, sondern dass davon ausgegangen wird, dass die Gründe ernsthaft sind?
Kann ich von meinen Followern erwarten, dass sie mich ein wenig kennen
und dadurch wissen, dass ich nicht mit ihren Erwartungen spiele, nicht leichtfertig
Termine verlege?
Zu beidem von mir ein klares: Ja.
Muss ich wirklich hinnehmen, dass mir potentielle Kunden Unzuverlässigkeit,
Nachlässigkeit und Beliebigkeit unterstellen?
Dazu von mir ein klares: Nein.
Sie hätten mich einfach z.B. per E-Mail fragen können. Das aber war es
oder ich Ihnen nicht wert. Oder Sie hatten daran einfach nicht gedaccht.
Sie sehen, die Lage ist nicht so einfach, wie Sie sie beschrieben.

Nun zum Nachdenklichen:
Ich stelle ein kostenfreies Angebot ins Netz. Berechtigt das irgendjemanden, daran
konstante Erwartungen zu knüpfen, die vehement eingefordert werden können und dürfen?
Wie ist das denn bei all den kostenfreien Angeboten im Netz?
Haben wir ein Anrecht darauf, dass Twitter läuft, Google sucht,
GMX die E-Mails empfängt und versendet?
Ich finde, das haben wir nicht. Wir haben ausschliesslich Anspruch auf Dienste,
die wir bezahlt haben. Alles andere ist am Ende very nice to have!
Und mir würde ganz furchtbar viel fehlen, gäbe es die Dienste nicht.
Aber Grund, mich darüber zu empören und die Dienste als etwas, das mir zusteht
einzufordern, hätte ich nicht. Nur Grund, ihren Verlust sehr zu bedauern.

Wie sehen die Leser das? Ich freue mich über kritische, anregende, nachdenkliche Beiträge.

  1. 15 Kommentare zu “Kostenlose Angebote im Netz – wie viel Anspruch steht uns zu?”

  2. Andrea sagt:

    Ich bin über diese Anspruchshaltung schlicht entsetzt. Aber auf der anderen Seite ist auch wieder typisch. Reiche den kleinen Finger und die Menschen wollen dich gleich mit Haut und Haar und ganz verschlingen. Mit Social Media und den vielen Dingen die kostenlos angeboten werden, wird dies immer schlimmer.

    Ich finde es ungeheuer angenehm, was man an Dienstleistungen mittlerweile geschenkt bekommt (denn umsonst im Sinne von vergeblich sind sie ja nicht). Aber was und wieviel verschenkt bzw. kostenlos angeboten wird, bestimmt doch immer noch der Anbieter.

    Ehrlich gesagt sitze ich hier und komme aus dem Kopf schütteln gar nicht mehr raus.

  3. Nicola sagt:

    Liebe Martina,
    ich verstehe dein Angebot als Geschenk. Und wenn mir jemand seit 20 Jahren jedes Jahr etwas zum Geburtstag geschenkt hat und es dieses Jahr nicht tut, müsste er mir doch nichts erklären – auch wenn Ich kann mich darauf gefreut habe und jetzt enttäuscht bin.
    Viele Grüße
    Nicola

  4. Heiko Stein sagt:

    Ich kann die Reaktion von Herrn Pabst nachvollziehen. Er hat sich auf den (terminierten) mopi vorbereitet, das Zeitfenster geblockt und (vielleicht) eigene Verpflichtungen drumherum organisiert. Und war ob der kurzfristigen(?) und anfangs unbegründeten Absage vermutlich verärgert. Aus seiner Sicht wurde quasi ein Temin vereinbart, der nun geplatzt ist.
    Martina Bloch als Anbieterin denkt sich: Mein Angebot ist kostenfrei und meine Follower müssten mich so gut kennen, dass sie nachvollziehen können, dass so eine Verlegung bei mir nur aus einem wichtigen Grund stattfinden könne.

    Für mich eher ein Fall von unterschiedlicher Erwartungshaltung dem anderen gegenüber. Die Kommunikation darum gibt dem nun den „Rest“: Während die eine Seite empfindet, man hätte ihr Unzuverlässigkeit,
    Nachlässigkeit und Beliebigkeit unterstellt, muss sich die andere Seite überzogenes Anspruchsdenken nachsagen lassen.

    Schönes Beispiel, wie eine Kleinigkeit von der Sach- auf die Beziehungsebene „wandert“. Das einfach zu lösende Problem (Terminverschiebung) wird zum Gradmesser der „Persönlichkeit“ … 😉

    Video-Tipp: Der Kosakenzipfel von Loriot 😉
    http://youtu.be/33Vxyb5BYrc

  5. Marina sagt:

    Ich denke auch, dass Herr Pabst recht hat.

    Frau Bloch, ich glaube, Ihr Vergleich zu gmx und google zeigt den Stolperstein: In meinen Augen sind diese Angebote gar nicht kostenlos! Wir bezahlen nur nicht in Geld, sondern mit unserer Zeit. Wir erlauben es den Anbietern, unsere Aufmerksamkeit für Werbeangebote zu nutzen. Und so schätze ich auch ihr Angebot ein: Sie bieten ihre Leistung ohne dafür Geld als Gegenleistung zu verlangen. Stattdessen nutzen Sie die Anfragen, um Aufmerksamkeit für ihre eigene Leistung zu erwirken.
    Ist das kostenlos?

    Ich finde, Ihre Argumentation hinkt noch an einer anderen Stelle: Wenn SIe beispielsweise ohne Honorar einen Vortrag halten, bezwecken Sie doch damit auch, die nicht-zahlenden ZuhörerInnen erst zu Interessenten und dann zu Kunden oder Empfehler zu machen. Fänden Sie es also ok, einen solchen Vortrag auch einfach abzusagen, nur weil er kostenlos ist?

    Das fände ich als Kundin nicht so gut.

  6. Ja, der Vergleich zu Twitter und Co. hinkt, das hätte ich auch angeführt. ABER ansonsten stimme ich Martina zu.

    Mein Beispiel: Wir publizieren seit gut zwei Jahren einmal die Woche einen Newsletter mit Hamburger Digitalevents auf digitalmediawomen.de. Das ist eine Leistung, in die wir sehr viel Zeit und Mühe investieren, die geplant werden will und für die wir im Hintergrund ganz schön rotieren, damit auch jede Woche ein Newsletter da ist. Wir sind ein Team von mehreren, haben alo noch mehr Womanpower dahinter, und trotzdem habe ich es noch nicht erlebt, dass sich jemand beschwert, wenn wir diese kostenlose Dienstleistung (aus welchem Grund auch immer) pausieren.

    Selbst als ich das Ding noch alleine verantwortet habe und ihn tatsächlich häufiger mal nicht liefern konnte, weil einfach Dinge dazwischen kamen (meine Miete zu zahlen und so), habe ich so was nicht erlebt.

    Also:

    >> Muss ich wirklich hinnehmen, dass mir potentielle Kunden Unzuverlässigkeit, Nachlässigkeit und Beliebigkeit unterstellen?

    Natürlich nicht! Dinge wie der Mopi oder unser Newsletter sind Bonbons, die wir neben unserer Arbeit realisieren. Von denen wir natürlich auf irgendeine Weise auch profitieren, das will ich gar nicht verschleiern. Darf man sich darüber mal ärgern? Ja. Aber die Verschiebung deswegen zur Pflicht hochzustilisieren, sich über ihr Ausfallen zu beklagen und dann gleich noch Rückschlüsse auf die professionelle Arbeitsweise einer Person zu ziehen, finde ich annähernd unverschämt.

  7. Kai Falkenberg sagt:

    Wenn ich als Freiberufler eine Veranstaltung anfange, die regelmäßig laufen soll (gleich, ob bezahlt oder nicht), würde ich mindestens einen Partner ins Boot holen, sobald das Event läuft.

    Es wird ja in Hamburg noch jemanden geben, der sich mit Positionierung auskennt?

  8. Ein klasse Beispiel für praktizierten Konstruktivismus. In Ihrer beiden Köpfe laufen Kinofilme ab, leider in jedem Kopf ein anderer. Und in beiden Filmen werden dem jeweils anderen Motive für die beobachtete Handlung unterstellt.

    „Wie kommt die dazu, einfach den Termin abzusagen?“

    „Wie kommt der dazu, von mir eine Begründung für die Absage zu verlangen?“

    Und wer „hat Recht“? Beide. In der jeweiligen Wirklichkeit des Einzelnen hat er/sie natürlich die volle Deutungshoheit über die fremden Motive und das eigene Handeln.

    Was lernen wir daraus? Kommunikation bleibt schwierig, man gar nicht um die Ecke genug denken, um sich in den Kopf des anderen hinein zu versetzen. Ich empfehle klassische Lektüre: http://www.amazon.de/Anleitung-zum-Unglücklichsein-Paul-Watzlawick/dp/3492249388/

  9. Hallo Herr Altenfelder,

    vielen Dank für Ihre Ausführungen. Mögen Sie auch noch was zur Erwartungshaltung bei kostenfreien Angeboten sagen?

  10. Axel Pabst sagt:

    Erst einmal vielen Dank für die tollen Diskussionsbeiträge bisher!

    Inzwischen hatte ich eine Woche Abstand und zudem gestern erstmals die Gelegenheit die Sichtweise von Frau Bloch in mehr als 140 Twitter-Zeichen kennenzulernen. An dieser Stelle auch Ihr nochmals herzlichen Dank, dass sie ihren Blog für einen konstruktiven Austausch zur Verfügung stellt.

    Den Kommentar von Heiko Stein kann ich gut nachvollziehen und er trifft – zumindest aus meiner Sicht – sehr gut, was auf der emotionalen Ebene abgelaufen sein könnte. Es tut mir deshalb aufrichtig leid, wenn sich Frau Bloch auf dieser Ebene angegriffen fühlte. Das war nicht meine Absicht und ich bitte, dies zu entschuldigen.

    Unterschiedlicher Ansicht bin ich jedoch immer noch bei der Frage, was die Bezeichnung einer Akquise als „kostenlos“, „Bonbon“ etc. einerseits und die daraus resultierende „Verpflichtung“ im Zusammenhang mit Akquise andererseits anbelangt. Meiner Erfahrung nach ist Akquise regelmäßig kostenfrei.
    Vielleicht resultiert aus diesem unterschiedlichen Verständnis die mir unterstellte Erwartungshaltung.

    Mir ist noch folgendes Bild eingefallen, das meine Erwartungshaltung erklärt. Und es verdeutlicht eventuell, dass es in meinen Augen nicht um den Begriff kostenlos, sondern um den Begriff Akquise gehen sollte: Stellen Sie sich diesen wunderbaren Käsestand vor, der seit einigen Wochen jeden Mittwoch auf dem Wochenmarkt steht. Ich habe dort noch nie etwas gekauft, aber die Auslagen lassen mir jedes Mal die Augen überquellen. Ausgerechnet an dem Mittwoch, an dem ich mich entschließe, Zutaten für eine Käseplatte dort einzukaufen, steht der Stand nicht dort. Stattdessen befindet sich ein kleines Schild „Wir sind nächsten Mittwoch wieder für sie da“ an der Stelle.

    Und nun? Ich war noch nie dort Kunde, habe also kein „Recht“ sauer zu sein?

    Ich bleibe bei meiner Ansicht, dass ein potentieller Kunde im Rahmen der Akquise Zuverlässigkeit erwarten darf. Und dabei, dass derjenige, der eine Dienstleistung anbietet, Einschränkungen transparent kommunizieren sollte.

    Die Randnotiz, dass der #mopi heute anscheinend zu einer anderen Uhrzeit als sonst stattfinden sollte, könnte die weitere Diskussion beleben.

  11. Hallo Frau Bloch,

    ich dachte, das hätte ich getan. (Noch ein Beispiel für konstruierte Wirklichkeit).

    Anbieter kostenloser Angebote empfinden die Erwartungshaltung ihrer Abnehmer (um nicht Kunden zu schreiben) tendiziell als unangemessen hoch.

    Abnehmer kostenloser Angebote empfinden Ihren Anspruch auf die Entgegennahme der Dienstleistung als völlig gerechtfertigt.

    Beide Parteien haben in ihrer jeweiligen empfundenen Wirklichkeit Recht und die Frage nach „wie sehen Sie das“ ist damit die Frage, welchem Lager fühlen Sie sich eher zugehörig und welchen Werte-Kanon machen Sie sich damit zu eigen.

    Ich behaupte, dass jeder von uns schon in beiden Rollen war und in der jeweiligen Situation die jeweils andere Rolle als „unmöglich“ bezeichnet hat.

    Ob ich nachvollziehen kann, dass Sie Herrn Pabsts Ansinnen als unangemessen ansehen? Ja, kann ich.

    Ob ich Herrn Pabsts Anspruchhaltung auf die kostenlose Dienstleistung nachvollziehen kann? Ja, kann ich auch.

    Und nun?

    Versuchen Sie (beide) zu akzeptieren, dass der andere anders tickt als Sie und ziehen Sie die notwendigen Schlüsse für Ihre künftigen Handlungsmuster.

    Herzliche Grüße
    Kai Altenfelder

  12. Hallo Herr Pabst,
    ich bin Ihnen überhaupt nicht böse, sondern mir gefällt, dass es zu dieser Diskussion gekommen ist.
    Ich habe verstanden, dass mein Bild von google und twitter nicht so ganz stimmt, aber Ihr Bild vom Käsestand trifft es auch nicht.
    —————
    Sie schreiben:
    Stellen Sie sich diesen wunderbaren Käsestand vor, der seit
    einigen Wochen jeden Mittwoch auf dem Wochenmarkt
    steht. Ich habe dort noch nie etwas gekauft, aber die
    Auslagen lassen mir jedes Mal die Augen überquellen.
    Ausgerechnet an dem Mittwoch, an dem ich mich
    entschließe, Zutaten für eine Käseplatte dort einzukaufen,
    steht der Stand nicht dort. Stattdessen befindet sich ein
    kleines Schild “Wir sind nächsten Mittwoch wieder für sie
    da” an der Stelle.

    Und nun? Ich war noch nie dort Kunde, habe also kein
    “Recht” sauer zu sein?
    —————
    Und nein, Sie haben kein Recht sauer zu sein. Beim Käsestand nicht, denn er kann einen Platten gehabt haben, der Betreiber kann krank geworden sein, was auch immer, er ist auf alle Fälle nicht nicht da, um Ihnen einen Tort anzutun.
    Sondern aus Gründen, über die wir nur spekulieren können.
    Aber bei mir, Herr Pabst, wollten Sie nicht mal kaufen.
    Sie wollten, um beim Käsestandbild zu bleiben, probieren!
    Und haben tatsächlich gar kein Recht, sauer zu sein, wenn die Proben heute nicht zur Verfügung stehen. Sondern sollten sich freuen, dass in der Regel probiert werden darf und sie nichts kaufen müssen, von dessen Qualität Sie noch nicht überzeugt sind.
    Viele Grüße
    Martina Bloch

  13. Meiner Meinung nach sollte eine regelmäßige Veranstaltung auch immer regelmäßig stattfinden. Klar kann es sein, dass man mal krank wird oder nicht kann, aber da sollte, wie schon erwähnt, ein Partner übernehmen. Fällt die Veranstaltung einmal aus, schwinden schon die Besucher und das Vertrauen sinkt auch. Man muss heutzutage sehr vorsichtigt sein.

    Mein Kommentar kann als konstruktive Kritik gewertet werden. Ich persönlich bin Ihnen nicht sauer 😉

  14. Jonathan sagt:

    Hier gewinnt das Sprichwort wieder an Bedeutung: „Gibt man den kleinen Finger, wollen alle gleich die ganze Hand“. Ich finde, wenn man Informationen, egal in welchem medium kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt, sollte man froh darüber sein. Da kommt es auf eine Verschiebung nicht an!

  15. Susanne sagt:

    Ich habe heute zum ersten Mal über Xing zu Martina Bloch gefunden. Ich finde es ganz prima dass es Leute gibt, die Dienste/Dienstleistungen -unentgeltlich- anbieten. Was mich wirklich fuchst ist diese „All-Inklusive-Mentalität“ die heutzutage von Vielen in nahezu Allen Ausprägungen der Gesellschaft anzutreffen ist. Muss man immer Alles erklären? Frau Bloch hatte sicher einen Grund,den Termin zu verschieben.Reicht das denn nicht? Muss man dann noch wissen WARUM? Das ändert doch überhaupt nichts an der Tatsache dass der Termin verschoben wurde.Manchmal komme ich mir vor wie im Kindergarten, ehrlich!
    „Manno ich will aber!!!“

  16. Klaus-M. Schmidt sagt:

    Als ich den Blog-Beitrag zuerst las, hatte ich mir nicht vorstellen können, welche Diskussion sich daraus ergeben hat –
    Nun muss ich doch meinen Senf dazu tun:

    Auch ich nutze zeitweilig solche kosten- nicht aufwandsfreien Angebote im Netz und weiß dabei sehr wohl darum, wieso und warum der Veranstalter das anbietet und was der evtl. davon hat oder verspricht.

    Leider habe ich dabei auch schon mal nicht funktionierende Links oder Error 404 angetroffen und zwar ohne vorherige Ankündigung – und ja, ich hatte mir dabei auch die Zeit „freigeschaufelt“.

    Ja, im ersten Moment war ich durchaus enttäuscht – dennoch, selbst wenn ich dafür extrem viel „geschaufelt“ hatte bin ich nie auf die Idee gekommen, meiner Enttäuschung irgendwie öffentlich Luft zu machen. Zum einen habe ich genügend Anderes zu tun.

    Auch ich habe nach Zusage schon aus unvorhersehbaren dringenden Gründen an solchen Veranstaltungen nicht teilnehmen können – und viele sogenannte Online-Angebote sind vollautomatisiert, d.h. da hockt niemand dort, eben anders, als es Frau Bloch macht.

    Weiterhin sollte klar sei: gratis ist nicht umsonst – beide Seiten müssen was bringen. Viel mehr regen mich daher andere Angebote im Netz zur Akquise auf, bei denen hochtrabend etwas angeboten wird, viel Geld verlangt wird und dann kommt nur heiße Luft von selbstverliebten Selbstdarstellern, die einen Schwank aus Ihrem Leben erzählen, wie toll und super und völlig ohne Ausbildung aber einfach göttlich todsicher etc..

    Es dürfte eine Frage des Mediums bzw. der mit damit verbundenen „Kultur“ sein: TWITTER.
    Ich mag das Medium nicht, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendetwas so Wichtiges gibt, was sofort in aller Welt (und dann evtl. doch nur die der Follower) bekannt gegeben werden müsste.

    Es ist zwar gut, dass es so ein Medium gibt, evtl. im Zuge bestimmter Ereignisse die Öffentlichkeit informieren zu können, die die gesamte Gesellschaft betreffen – da dürfte es aber max. eins auf der Welt pro Woche oder gar Monat geben (z.B. ein Aufstand in.. oder Machtmissbrauch oder… ).

    Im privaten wie geschäftlichen Umfang sehe ich das in der Regel nicht – selbst im Notfall eines eiligen Produktrückrufs gibt es Email, SMS Telefon und andere Medien.

    TWITTER erinnert mich immer an die Zeit als meine Kinder klein waren – da hatten wir denen beigebracht, uns sofort nach der Erledigung von kleineren oder größeren Geschäften Bescheid zu geben. Und ja, sogar das damalige Produkt stimmt dem bei Twitter noch überein.

    Selbst wenn ich extrem sauer gewesen wäre, werter Herr Pabst, hätte ich das Frau Bloch nur persönlich mitgeteilt – evtl. sofern mich die Enttäuschung meine Kinderstube hätte vergessen lassen, dort einem Frustabbaubedürfnis gefrönt, – aber öffentlich in Twitter oder anderen Social Media in Verbindung mit bestimmten Adjektiven erfüllt es schlicht den Tatbestand übler Nachrede und Frau Bloch hätte jeden Grund, mehr als nur sauer zu sein.

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