Erschlag mich bitte nicht mit deinem Können!

Martina Bloch am 7. Mai 2014 um 13:36 Uhr, 4 Kommentare

Ich habe auf einen Akquiseanruf hin um vertiefende Informationen zum Thema per E-Mail gebeten.

Die E-Mail kam knapp 5 Minuten später, fand ich prima.

Doch als ich sie öffnete war da

S O V I E L   T E X T !!!

  • Jede Menge Selbstlobhudelei
  • Ganz viele wir sind so toll Sätze

Weil wir „Flugzeuge designen, entwerfen, konstruieren, bauen, lackieren,
innen ausbauen, fliegen und sogar vermieten können“

* (Setzen Sie hier ein, was Sie alles so können, Hauptsache Sie lassen
nichts aus und es ist viel. Richtig viel!
)

Die E-Mail erschlägt mich. Mit ihrem Text, der Zeile um Zeile füllt,
mit ihren Links zu Videos, Podcasts, Referenzen, Casestudies.
Mit ihren Superlativen, ihrem: Wir verstehen Sie sooooooo gut,
kaufen Sie von uns!
Die E-Mail lässt mir keine Luft zum Atmen, keinen Raum zum
Verstehen, zum Innehalten, zum Nachdenken.
Sie ist wie ein Panzer, der mich überfährt.
Und ich bin platt.

So kann ich gar nichts kaufen und will irgendwie auch nicht mehr.

  1. 4 Kommentare zu “Erschlag mich bitte nicht mit deinem Können!”

  2. Das ist genau so leider Alltag. Wenn man sich solche Mails ansieht, dann erkennt man, dass es im Prinzip Standard-Schreiben sind, die genausogut auch ohne vorheriges Telefonat hätten verschickt werden können, denn bis auf den Namen und den Dank für das Gespräch findet man i.d.R. überhaupt keinen Bezug zum bereits geführten Gespräch.

    Natürlich soll auch die Kommunikation effizient sein, doch m.E. wird einfach zu viel Potenzial verschenkt – und damit die bereits erfolgte Investition in das Telefongespräch völlig unnötig aus den eigenen Reihen torpediert. Das wichtigste _nach_ einem Gespräch ist doch, genau dieses Gespräch im Kopf des Gesprächspartners zu verankern und auf einem anderen Kanal fortzuführen. Man hat sich und das Unternehmen/Produkt bereits am Telefon vorgestellt, wieso sollte man in einer Mail genau damit wieder beginnen?

    In nahezu jedem Gespräch gibt es Hinweise oder sogar konkrete Punkte oder Fragen, weshalb weitere Informationen gewünscht werden und genau darauf sollte in der Mail eingegangen werden. Das beginnt schon mit der Betreffzeile:
    “ Tolle Firma GmbH – Senken Sie Ihre Kosten um 30%“ vs. „Unser Telefonat: Kosten senken in Ihrer Server-Landschaft“ Wo haben Sie auf Anhieb im Blick, dass bereits Kontakt besteht?

    Und es geht inhaltlich in der Mail entsprechend weiter. Sie haben erfahren, dass die Fachabteilung gerne Veränderungen möchte, jedoch intern den Einkauf nicht überzeugen kann? Dann gehen Sie genau darauf ein. „Wie vereinbart, sende ich Ihnen eine Fallstudie, die belegbar darstellt, dass eine Investition sich bereits nach 10 Monaten amortisiert hat und nach weiteren 12 Monaten xy% eingespart hat. Wenn Ihre Kollegen aus dem Einkauf tiefergehende Fragen dazu haben, können wir gerne…“

    Anschließend eine individuelle Grußformel mit Hinweis auf das vereinbarte weitere Vorgehen (bsw. nächster Anruf in zwei Wochen) und anschließend ein Post Scriptum à la „Hier finden Sie direkt unser ganzes Leistungspektrum, Portfolio ö.ä.“

    So wird niemand erschlagen, das Gespräch wird fortgeführt und es bietet zudem den unschlagbaren Vorteil, dass Informationen, die womöglich intern weitergeitet werden, von den Kollegen und Vorgesetzten mit dem bekannten Mitarbeiter verknüpft sind statt mit einem gänzlich unbekannten Unternehmen.

    Wie so oft wird einfach zu erschließendes Potenzial verschenkt. Dabei kommt es m.E. nicht unbedingt auf die Textmenge an – was als nicht relevant wahrgenommen wird fesselt weder in wenig noch in vielen Worten.

  3. Ich weiß nicht, hab nur ich mich jetzt den letzten Monat lang so erschlagen gefühlt ????

  4. Christoph Ernst sagt:

    Vielen Dank für den Artikel, bin durch Zufall auf Ihr Blog gestoßen.

    Witzig, dass das online immer noch am besten funktionierende Medium E-Mail so grundsätzlich falsch genutzt wird. Niemand klickt heute auch nur einmal, wenn er weiß, dass dahinter kein Nutzen steckt. Deshalb sind E-Mails doch gerade so ein perfektes Medium, denn hier kann ich mein Fachwissen und meine Bereitschaft dieses zu teilen, deutlich unter Beweis stellen.

    Das ist ein wenig wie früher auf dem Schulhof: Der eine hat eine große Klappe und behauptet er wäre der beste Fußballer, der andere macht die Tore. Wem von beiden fliegen die Herzen der Mädels wohl am ehesten zu?

    Ohne Belege zu behaupten, man sei der Beste, reicht bei dem Dickicht an „Bestleistungen“ im Internet schon seit knapp einem Jahrzehnt nicht mehr aus. Leider ist das bei etlichen Unternehmen immer noch nicht angekommen.

    Viele Grüße,
    Christoph Ernst

  5. daniel sagt:

    Hallo Martina,

    mal wieder ein schöner Beitrag in deinem Bloch Blog :-).
    Hier ist eben noch die Information imvordergrund und nicht die Werbung.

    Weiter so und beste Grüße

    Daniel

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