10minMe: Jetzt wird es privat

Martina Bloch am 10. Juli 2018 um 12:11 Uhr, 5 Kommentare

Der Timer läuft und ich will auf die Frage antworten, auf die Maren und Steffi gern eine Antwort hätten:

Warum ich so wenig Privates im Netz von mir gebe.

Fängt ja schon mit dem Wort Warum an: das verlangt gefühlt immer eine Rechtfertigung und ist ein doofes Fragewort. Macht heute aber nichts.

Tja, warum erzähle ich Ihnen und euch im Netz so wenig über meine privaten Angelegenheiten?
Ganz einfach:

Ich stelle mich auch nicht auf den Jungferstieg und rufe sie dort hinaus, oder klopfe bei meinen Nachbarn an die Tür, um sie ihnen zu erzählen.
Beides fände ich megaschräg, und genauso schräg und unangegbracht finde ich es, den möglichen Millionen Lesern mein Privatleben auszubreiten.
Wikipedia sagt dazu:
Im Kontext zu Personen gehört Privates nicht der Allgemeinheit, sondern nur einer einzelnen Person oder einer eingegrenzten Gruppe von Personen, die untereinander in einem intimen bzw. einem Vertrauensverhältnis stehen.
Das intime Verhältnis trifft es gut. Ich stehe mit Ihnen und euch nicht in einem intimen Verhältnis.
So viele Verhältnisse könnte ich auch überhaupt nicht verarbeiten, geschweige denn pflegen.
Außerdem gehört das Wohl und Wehe der Mitglieder meiner Familie nicht ins Netz, das fände ich extrem übergriffig. Sie alle entscheiden selbst, worüber sie die Netzgemeinde informieren.

Mein Abendessen müssen Sie und ihr auch nicht kennen, es reicht, wenn es mir schmeckt.

Obwohl ich, und jetzt wird es sehr privat!, gern die Lindenstraße sehe, (uff, was für ein öffentliches Geständis), ist mir Voyeurismus suspekt.
In der Lindenstraße sind es gespielte Lebensgeschichten, doch die Menschen im realen Leben sind mehr und mehr an echten Lebensgeschichten interessiert.
Wie ich vermute, nicht aus Menschlichkeit und Zuneigung heraus, sondern weil es sich dann so gut sagen lässt:
Ach, fein, sooo schlecht geht es mir dann ja doch nicht, und sooo doof bin ich auch nicht.
Gefällt mir gar nicht.

Dazu will ich mit meinen Gefühlen, Erlebnissen und Ärgernissen nicht im Rampenlicht stehen. Wozu auch?
Schon diese Selfiesucht verstehe ich nicht, diese unentwegte Nabelschau finde ich gruselig.

Und jetzt klingelt der Wecker, 10 Minuten sind um und ich „habe fertig“.

Dies ist ein Beitrag zur #10minBlog-Challenge von Maren. Jeder darf mitmachen, auch jetzt noch.
Also los 🙂

  1. 5 Kommentare zu “10minMe: Jetzt wird es privat”

  2. Liebe Martina, du sprichst mir aus dem Herzen – Privates ist und bleibt privat.

    Was ich jedoch hin und wieder gern teile sind persönliche Vorlieben. So ist die Lindenstraße ein weiteres Puzelteil – ich mag sie auch. Aber mir fehlt oft die Zeit es Sonntagabend zu schauen, dann immer mal wieder online ist für mich auch gut.

    Aber privat und persönlich – da kann ich für mich selbst gut eine Grenze ziehen und bewusst entscheiden, was ich teile und was in der Familie und im engsten Freundeskreis bleibt.

    Bin gespannt, wie es anderen damit geht – ob es vielleicht noch weiteren Menschen so geht, dass sie privates privat halten und persönliches auch mit einer größeren Gruppe teilen können?

    Danke für diesen anregenden Gedanken von dir.

  3. Liebe Martina, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast für meine Frage. Was ich spannend finde: Sobald es um Privates geht, werden Essensfotos und Selfies ins Feld der Argumentation geführt. Als sei das die Spitze an Privatheit. Interessanterweise sind bei mir auf Instagram genau das die beliebtesten Bilder. Ich denke, es kommt auf die Plattform an.
    Privat definiert auch jeder anders. Ich habe bei mir selbst beobachtet, dass ich privat und persönlich manchmal in einen Topf werfe und daher Facetten von mir nicht zeige, die aber für die Menschen tatsächlich wichtig sind. Diese #10MinBlog Challenge, bei der ich meine Leser gefragt habe, was sie gerne von mir lesen möchten, sind meine ganz persönlichen Gedanken und Gefühle zu Themen, die sie beschäftigen. Damit entsteht zwischen mir und den Lesern eine Nähe, die ich mit strategisch gebauten Markencontent, der meine fachliche Expertise unter Beweis stellt, nie erreichen würde. Am Ende des Tages wollen Menschen mit Menschen arbeiten. Ich finde es daher völlig legitim, dass sie wissen wollen, was für ein Mensch ich bin, bevor sie mich beauftragen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass genau das den Unterschied macht. Für mich ist das die Herausforderung in der Kommunikation, mich als Mensch zu zeigen, nicht nur als glattgebügelte Expertin, und gleichzeitig die Balance zwischen persönlich und privat zu halten.
    Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ich mehr vom Mensch Martina Bloch erfahre, wie sie denkt und fühlt in Sachen Selbständigkeit, Work-Life-Balance. Ach ja und was mich auch interessieren würde: Was war dein persönlich doofstes Vertriebserlebnis. Auch eine Akquisefachfrau ist doch bestimmt mal im Vertrieb bzw. in der Selbständigkeit gescheitert, oder?
    Liebe Grüße, Maren

  4. Bettina sagt:

    Da widerspreche ich, Martina. Ich lese echte Lebensgeschichten im Netz sehr gern, jedoch aus völlig anderen Gründen als die, die Du vermutest.
    Ich bin neugierig auf Menschen und lasse mir gerne Geschichten von ihnen erzählen – im realen Leben und im Netz.
    Ich lasse mich gerne berühren, bewegen, trösten und begeistern von Geschichten.
    Ich mag Vorbildliches, Mut machendes, Exemplarisches – für mich, aber auch zum Teilen.

  5. Vielen Dank für die schönen Kommentare.
    Zuerst zu dir, Bettina.
    Glaube ich sofort, dass es andere Motive gibt als die von mir genannten. Ich habe da bewußt ein wenig polarisiert, du kennst das ja.
    Und dann für alle:
    Ich sehe z.B. gern die 35 Grad Dokumentationen im Fernsehen. Die sind sehr privat und dabei oft so anrührend, sorgen dafür, ganz anders auf Sachverhalte zu schauen und inspirieren.
    Was Lebensgeschichten ja auch tun, wenn sie einem so erzählt werden.
    Ich aber erzähle lieber von Angesicht zu Angesicht, als im Netz und dabei wird es sicher bleiben.
    Das Spannende ist, liebe Maren, dass meine Kunden aus dem was ich im Netz schreibe, ein Bild von mir bekommen, das ihnen zusagt. Für die braucht es also nicht mehr Intimität.
    Die in der Zusammenarbeit dann jedoch oft entsteht. Was schön ist.
    Einen glattgebügelten Eindruck habe ich, zumindest meines Wissens nach, noch nie gemacht. Dafür habe ich zu viele Ecken und Kanten.
    Zwischen privat und persönlich zu unterscheiden ist eine gute Anregung, danke dafür, darüber denke ich nach.
    Auch danke für deine Frage, Maren. Die werde ich versuchen, in den verbleibenden 26 Tagen zu beantworten 🙂 Wobei ich gleich sagen kann, gescheitert finde ich ein zu endgültiges Wort, das läßt keinen Raum für Lernerfahrung, keinen Raum für Resilienz, keinen Raum für Neues. Doch ich werde dir ein wenig von den unschönen Momenten meiner Selbständigkeit erzählen. Hätte nie gedacht, dass sie jemanden interessieren könnten 🙂
    Also schon wieder was in dieser Challenge gelernt. #hach!

  6. Kai Falkenberg sagt:

    Ein ganzer Wirtschaftszweig lebt inzwischen vom Privaten. Blogger, Influencer & Co.

    Wer sich jedoch an Business-Kunden wendet, kann gern auch privat bleiben. Wobei private Erlebnisse mit Geschäftsbezug durchaus das Paprika auf der Salami sein können.

    Warum ich aber wirklich antworte: Dem schlechten Ruf des Frageworts „Warum“ möchte ich hier mal entgegen treten. Denn ist der echte Grund klar, warum man etwas tun oder lassen möchte, wird alles weitere einfach.

    Übrigens: Ich gestehe, noch niemals eine Folge der Lindenstraße gesehen zu haben.

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